„Unser Land lebt vom Export“

Das sagt der Sprecher der Geschäftsführung des Frankenthaler Pumpen- und Armaturenwerks KSB in einer Lobeshymne auf Bundeskanzler Merz anlässlich seines 70. Geburtstages. Diese Aussage finden Sie auf der dritten Seite meiner Tageszeitung, auf der ersten Seite ist Merz mit Adenauer im Hintergrund abgebildet. Die entsprechende Überschrift lautet: „Auf Adenauers Spuren“. Zu beiden Aussagen gibt es entscheidende Dinge zu beachten: Albrecht Müller.

Zu „Unser Land lebt vom Export“:

Dies ist eine der üblichen Aussagen von Menschen, die gelernt haben, in Geldgrößen zu denken und daraus ihre Bewertungen und Werturteile abzuleiten. Für eine korrekte Einschätzung des Geschehens ist es jedoch sinnvoll und notwendig, real zu denken und entsprechend zu urteilen. Weil wir Äpfel essen, essen wir Fleisch und Brot und keine Dollarnoten. Und wir fahren Autos oder Fahrräder. Wir leben nicht vom Export von Autos und so weiter. Und wenn wir einen besonders großen Überschuss an Waren- und Dienstleistungsexporten im Vergleich zu Waren- und Dienstleistungsimporten „erwirtschaften“, dann machen wir ein besonders schlechtes Geschäft. Dann exportierten wir mehr Reichtum nach außen, als wir uns durch Importe und interne Produktion zur Verfügung stellten.

Wir leben vom Export, und das mag aus der mikroökonomischen Perspektive des Pumpenherstellers aus Frankenthal stimmen. – Wenn auch nicht ganz. Dieses Unternehmen wird auch einen Teil, vielleicht sogar einen größeren Teil seiner Produktion im Inland verkaufen. Wenn KSB den Großteil seiner Produktion exportiert, dann lässt sich sagen, dass der Export einen Großteil des Umsatzes ausmacht und dann auch die Grundlage für einen Teil des Unternehmensgewinns bildet. Oberflächlich ausgedrückt könnte man sagen: KSB lebt vom Export.

Zurück zur ökonomischen Perspektive: Immer wenn der Export von Gütern und Dienstleistungen größer ist als der Import, werden Ressourcen netto verschickt, man könnte auch sagen: verkauft.

Noch eine Anmerkung zum Verständnis des KSB-Managers: Einerseits auf betrieblicher, mikroökonomischer Basis: Wenn er gesagt hätte „KSB lebt vom Export“, dann wäre das wohl nicht ganz falsch gewesen. Aus wirtschaftlicher Sicht: Es ist gängige Praxis, die Bedeutung des Exports zu überschätzen und Exportüberschüsse daher als Wohlstandssteigerung zu betrachten. Das Gegenteil ist der Fall. – Es ist leicht zu merken: Wir essen keine Dollarnoten, wir essen Äpfel, Kartoffeln, Bananen usw.

An: Merz „Auf Adenauers Spuren“

Für einen Sauerländer, also für einen konservativen Nachkommen einer Region aus der alten Bundesrepublik, ist diese Zuordnung durchaus und zu Recht positiv, sehr positiv konnotiert. Aber für all die Westdeutschen, die Adenauer nicht für einen Glücksfall hielten, hat es nicht diesen Beigeschmack.

Dies gilt keineswegs für Menschen, die zu Adenauers Zeiten in der DDR lebten. Adenauer war die sogenannte Wiedervereinigung egal, er hat nichts dafür getan. Er verfolgte die Westintegration, auch die Integration in die westlichen Militärstrukturen der NATO, ohne Rücksicht auf die Folgen für die Menschen in der damaligen DDR. Er verfolgte es auch, ohne zu berücksichtigen, dass seine sogenannte Aufrüstung und Westintegration die Möglichkeit einer baldigen Vereinigung, wie sie beispielsweise Österreich erreichte, blockierte und zunichte machte. Damals, Anfang der 1950er Jahre, gab es Angebote aus der damaligen Sowjetunion, die eine Wiedervereinigung zur Folge gehabt hätten. Adenauer war damit nicht einverstanden – auch aus engstirnigen, konfessionellen, also katholischen, parteipolitischen Gründen.

Bei einer frühen Wiedervereinigung, also um 1952 oder 1954, wäre die Dominanz des katholischen Teils innerhalb der CDU/CSU und im Gesamtstaat aufgrund des höheren Anteils der Protestanten in der damaligen DDR geschwächt worden. Und dann hätte die CDU/CSU nicht die politische Macht erreicht, die sie damals hatte und die sich beispielsweise in der absoluten Mehrheit der Sitze bei der Bundestagswahl 1957 ausdrückte.

Titelbild: Tageszeitung


Source link

More From Author

Vodafone ist etwas im Aufwind

Google investiert 5,5 Milliarden Euro in Deutschland

Kategorien